Vor
den Genuss hat der heilige Lukull die Anstrengung gesetzt:
Der Weg zum Restaurant auf dem Papststein ist treppig. Wie
viele es genau sind, ist offenbar umstritten – die einen
sagen 537, die anderen 510. Wir haben immer wieder versucht,
selbst zu zählen, sind aber meist gescheitert, weil irgendein
schöner Ausblickt oder ein grüßender Wandersmann
in Gegenrichtung uns ablenkte. Letztendlich ist die genaue
Zahl ja auch wohl einerseits schwer zu ermitteln, denn was
ist eine Stufe? Gilt auch ein Stein in Stufenform oder muss
es wenigstens ein mit Menschenhand gelegter Balken oder die
Eisentreppe sein? Letzlich ist es egal: Es sind viele Stufen.
Allerdings entnehmen wir der Webseite des Hauses den tröstlichen
Hinweis: Der Papststein ist der höchste Tafelberg der
Sächsischen Schweiz und hat dennoch den kürzesten
Aufstieg. Wir kamen ganz flott voran, wenn auch nicht in den
fünf bis zehn Minuten, in denen es das Personal angeblich
schafft. Oben sitzt man auf 452 Metern Höhe königlich
– vor allem am Abend bei gutem Wetter, denn dann kann
man einen vorzüglichen Sonnenuntergang beobachten (wir
waren übrigens auch schon bei miesem Wetter dort und
fanden es drinnen am Kamin entsprechend heimelig).
Im Restaurant oder auf der Terrasse zum Restaurant bekommt
der Begriff Tafelberg eine ganz neue Bedeutung: Hier kann
man nämlich erstaunlich gut speisen! Schon tagsüber
locken Soljanka oder Knoblauchspaghetti mit Tomaten, Oliven
und Parmesan –letztere in einer so üppigen Portion,
dass unsere Mitesser gleich einmal nach einer halben Portion
fragten und diese auch bekamen: Die gibt`s von allen Gerichten.
Abends ist der Ort einen Tick mehr Restaurant als Berghütte.
Aber mehr noch als über Lachssteak, Fischcurry oder Rumpsteak
oben auf dem Berg wunderten wir uns über die Hinweise
in der Karte, dass möglichst viele Produkte aus regionaler
Produktion stammen und Biofleisch verwendet wird, wo es geht.
Vegetarische und vegane Gerichte stehen ebenfalls auf der
Karte, und zwar nicht irgendwo am Rande, sondern ganz natürlich
mittendrin und lediglich besonders ausgewiesen. Derlei Engagement
loben (und wünschen) wir uns nicht nur im Nationalpark
Sächsische Schweiz.
Beleibt der Nageltest, ob es denn dann auch schmeckt. Gegrillte
Polenta mit Tomaten, Orgeano und Gorgonzola hätte zwar
einen Tick knuspriger und würziger sein können,
aber erschien uns insgesamt als ein sehr freundlicher Auftakt.
Die Menge dieser Vorspeise hätte übrigens durchaus
auch als kleines Gericht für zwischendurch gereicht –
aber über die Größe der Portionen hatten wir
uns ja schon mal ausgelassen. Eine vegane Möhrencremesuppe
mit Kokosmilch als zweite Vorspeise war keine Offenbarung,
aber ordentlich gemacht. Ganz anders das Rumpsteak mit Rosmarinkartoffeln
und Tomaten-Rucola-Salat: Da wäre „ordentlich“
heftig untertrieben. Wir hatten es rosa bestellt und –
bekamen es rosa. Großes Kompliment an die Küche,
die übrigens alles frisch zubereitet. Da lohnt sich doch
jede der 500 und einigen Stufen.