Schon
in längst vergangenen Zeiten müssen die Wanderer für
eine Fettbemmme und einen kühlen Tropfen auf den Papststein
gekraxelt sein. Den Gasthof auf dem 452 Meter hohen Berg gibt
es jedenfalls schon seit 1860. Zumindest sagt das der heutige
Wirt. Genaugenommen sind es zwei junge Wirte, Markus Ziegler
und Mark Henkenjohann, die seit Anfang der 90er Jahre die Stätte
des Labens betreiben. Begonnen haben die engagierten Herren
mit einem Imbißstand. Die Soljanka vom Papststein war
im ganzen Nationalpark bekannt. Und fehlt natürlich auch
heute nicht auf der Speisekarte. Was im 19. Jahrhundert auf
dem Papststein so gegessen und getrunken wurde, weiß keiner
mehr genau. Und auch die Gaststätte selbst bekam im Laufe
der Zeit immer mal wieder ein anderes Aussehen. Zu DDR-Zeiten
war sie sogar kurze Zeit eine Pension. Doch bis heute blieb,
passend zur Gegend, das Flair des Rustikalen erhalten. Zunächst
muß der Gast die vielen Stufen des Papststeins - abends
beleuchtet und im Winter beräumt - hochklettern. Belohnt
wird er dann mit einer faszinierenden Aussicht und - gutem Essen.
In einem der holzverkleideten, eher unauffälligen Häusschen
ist die Gaststube untergebracht. Groß ist sie nicht, aber
einfach, gemütlich und ein bißchen dunkel. Dicker
Kachelofen, kleine Fenster und Stühle wie bei Großmuttern.
Originell sind die Tische mit Gestellen von alten Nähmaschinentischen.
Kaum sitzt der Gast, schon bringt ihm die freundliche Kellnerin
die Speisekarte. Und da staunt der hungrige Wanderer. Neben
Gerichten, die auch die Hausfrau in dieser Gegend kocht, findet
er manch Ausgefallenes. Konkret: Neben Sülze mit Bratkartoffeln
und Schnitzel mit Erbsen gibts auch vegetarische Gerichte wie
grüne Bandnudeln mit Zucchini und Schafskäse (11,80
DM) und Ratatouille mit Wildreis (9,50 DM). Und ganz lecker
klingen "Rotbarschfilet
auf Orangensauce mit Mandelbrokkoli und Wildreis" (16,30 DM)
und "Geflügelleber-Ananasspieß auf Nußsauce
und Butterreis" (12,80 DM). Die beiden letztgenannten Gerichte
sind zur Zeit nur in der Abendkarte zu entdecken. "Wir wechseln
öfter mal das Angebot", erklärt Markus Ziegler. Also
könnte der nächste Gast mittags auch mal "Seehecht
in Mandelpanade" in der Speisekarte finden, den es bisher nur
abends zu speisen gibt. Wir wählten Spinatsuppe mit Croutons
und Ei, Putengeschnetzeltes mit Champignons, Krautnudeln mit
Schinkenspeckwürfeln und die erwähnten grünen
Bandnudeln. Die kleine Tochter bekam ihr geliebtes, aber oft
viel zu großes Schnitzel gleich als Kinderportion. Das
verhinderte Tränen. Bei Fleischgerichten ist dieser Service
noch nicht in allen Gaststätten zu finden. Das Essen kam
schnell und sah gut aus. Schön angerichtet mit frischem
Salat boten die Teller einen farbenfrohen Anblick. Kleingehacktes
Ei war der Blickfang
auf der kräftigen, sämigen Spinatsuppe. Und nach den
ersten Bissen war jeder des Lobes voll: abgerundet gewürzt
und raffiniert kombiniert. Die Nudeln al dente, der Reis körnig,
die Kartoffeln schön mehlig - auch die Beilagen wurden
bis auf das letzte Krümchen weggeputzt. Nur etwas heißer
hätte das Essen sein können.
Etwas träge vom süffigen, von der Kellnerin empfohlenen
sächsischen Wein (die Kinder tranken natürlich Saft),
probierten wir schließlich noch ein Dessert. Die rote
Grütze mit Vanilleeis und Sahne schmeckte gut. Köstlich
war der heiße Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne. Nicht
nur, daß der Teller durch ein Arrangement aus exotischen
Früchten eine Augenweide war, der Strudel zerging auf der
Zunge. Bloß gut, daß der Rückweg abwärts
verlief. Ein voller Bauch wandert nicht gern - aber er macht
wunderbar zufrieden. |